„Zeit oder Computerspiele“

Huch! Erfrischend deutlich und frech appelliert die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) in einem Infoschreiben, als Psychotherapiepatient von der Befüllung der elektronischen Patientenakte durch meinen Psychotherapeuten abzusehen: „Insbesondere in der Zeit der Pandemie, in der wir in unserer Praxis zusätzlich viele Patienten begleiten wollen, fehlt uns die Zeit für Computerspiele.“

Diese Vereinfachung, die elektronische Patientenakte als Computerspiele zu bezeichnen, trifft einen sehr wahren Kern – nicht nur für Psychotherapeuten, sondern auch für Ärzte. In den USA stöhnen diese über die Zeit, die sie für die dortige (zentralisierte) digitale Patientenakte aufbringen müssen, ohne Nutzen in der Behandlung, als Quelle für Behandlungsfehler gar und als „Trigger für Burnout“. Zeit, die für die direkte Auseinandersetzung mit dem Patienten fehlt.

Wollen wir die Technokratisierung der therapeutischen Beziehung, so wie Jens Spahn, Markus Müschenich und Jörg Debatin sie 2016 in ihrem Buch App vom Arzt unverhohlen entwarfen? Nein.

H. Heck

 

Nachtrag: Die KVBW hat das Infoschreiben inzwischen von ihrer Homepage genommen. Zuvor hatte ein TI-Verfechter aus dem inneren Kreis getwittert, dass das Schreiben ein Fall für die Rechtsaufsicht sei. Die Körperschaften des öffentlichen Rechts, zu der die Kassenärztlichen Vereinigungen gehören, stehen offenbar unter Druck.

 

 

 

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